Im Alltag nachhaltig, im Urlaub nachlässig: Deutsche zeigen deutlichen Verhaltens-Gap auf Reisen

Wir trennen zu Hause brav den Müll, duschen kurz und kaufen bewusst ein. Doch kaum landen wir am Urlaubsort, gelten offenbar andere Regeln: Handtücher werden täglich gewechselt, am Buffet landet mehr auf dem Teller als gegessen wird, und beim Einkaufen zählt der Impuls mehr als der Gedanke an Verpackung oder Herkunft.  Unsere repräsentative Studie zeigt, wie groß dieser Unterschied tatsächlich ist – und warum er uns alle etwas angeht.

Wir sind zu Gast – in einer anderen Umgebung, einer anderen Kultur, oft in Regionen, die ohnehin unter den Auswirkungen des Tourismus leiden. Und genau dort, wo nachhaltiges Verhalten besonders zählen würde, lassen viele von uns die gewohnten Maßstäbe außer Acht: 69 Prozent der Deutschen bezeichnen sich im Alltag als nachhaltig – im Urlaub sind es nur noch 56 Prozent. Ein Drittel gibt offen zu, im Urlaub weniger umweltbewusst zu handeln als zuhause.

Abb. 1: Nachhaltiges Verhalten im Alltag vs. im Urlaub – Anteil Zustimmung

Urlaub als Freifahrtschein – auch für schlechtes Gewissen

Woher kommt dieser Verhaltens-Gap? Die Befragten benennen es selbst: Fehlende Infrastruktur am Urlaubsort ist der meistgenannte Grund, also zum Beispiel kein Recyclingcontainer in der Nähe, keine klaren Regeln für Mülltrennung. Dicht dahinter folgen emotionale Motive: der Wunsch, sich etwas zu gönnen, und schlichte Bequemlichkeit, denn praktische Lösungen werden im Urlaub bevorzugt. Drei von zehn sagen direkt: Im Urlaub möchten sie sich nicht mit Nachhaltigkeitsthemen beschäftigen. Das Unbehagen über das eigene Verhalten ist dabei durchaus spürbar – mehr als die Hälfte derer, die zugeben, im Urlaub weniger nachhaltig zu sein, haben deshalb manchmal ein schlechtes Gewissen.

Besonders auffällig ist das Verhalten bei jüngeren Reisenden: Unter der Gen Z (16–31 Jahre) räumen 39 Prozent ein, im Urlaub weniger nachhaltig zu handeln – ein höherer Anteil als im Gesamtdurchschnitt mit 31 Prozent.

Was wirklich helfen würde

Die Studie zeigt aber auch, wo konkrete Ansatzpunkte liegen. 44 Prozent der Befragten würden sich nachhaltiger verhalten, wenn Hotels Anreize schaffen würden – etwa Rabatte für die Wiederverwendung von Handtüchern. Mehr als ein Drittel wünscht sich praktische Tipps für nachhaltiges Verhalten vor Ort, ebenso viele würden von günstigeren nachhaltigen Angeboten motiviert. Die Verantwortung sehen die Befragten dabei nicht nur bei sich selbst: Hotels, Reiseveranstalter und Buchungsplattformen werden ebenfalls klar in der Pflicht gesehen.

Abb. 2: Was würde Reisende motivieren, sich im Urlaub nachhaltiger zu verhalten? (n=1.001, Mehrfachnennungen möglich)

Kleine Entscheidungen, echter Effekt: „Nachhaltigkeit im Urlaub muss nicht perfekt sein. Jeder einzelne Reisende, der nur eine Minute kürzer duscht, einen To-Go-Becher vermeidet oder vegetarisch speist, macht einen Unterschied. Am Ende geht es nicht um Verzicht in den schönsten Tagen des Jahres, sondern um die Summe vieler kleiner Entscheidungen: Wenn jeder Einzelne ein bisschen bewusster handelt, entsteht in der Masse ein echter Effekt – ganz ohne, dass Urlauberinnen und Urlauber auf Reisen Abstriche machen müssen", erklärt Nina Hammer, Reiseexpertin von HolidayCheck.

Auswertungsgrundlage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer bevölkerungsrepräsentativen Online-Umfrage der Media Market Insights in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut KANTAR, an der 1.0001 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren im Zeitraum vom 24.04.2026 bis 04.05.2026 teilnahmen.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.06.2026 wiedergibt.

Anmerkung: Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text an manchen Stellen die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige sämtlicher Geschlechter.

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